Webseite zur Beilegung verbraucherrechtlicher Streitigkeiten

Ingeborg Gleichauf
Poesie und Gewalt. Das Leben der Gudrun Ensslin

Nach Ihren bemerkenswerten Biographien über Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Max Frisch und Ingeborg Bachmann wendet sich die Freiburger Literatur-wissenschaftlerin und Publizistin Ingeborg Gleichauf nun mit Gudrun Ensslin einer der umstrittensten Figuren der siebziger Jahre zu.

Fast stereotyp wurde Gudrun Ensslin von ihrem Lebensende her als Teil der Führungsspitze der RAF gedeutet - so bei Stefan Aust in seinem Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“, so auch bei Gerd Koenen oder Hans Magnus Enzensberger. Ingeborg Gleichaufs Interesse ist ein weiter gefasstes: sie leuchtet die Stationen der Lebensgeschichte Ensslins aus, das Hineinwachsen in das intellektuelle Bürgertum Nachkriegsdeutschlands, sieht in ihr die literarisch hochgebildete Person, schildert die Zeitumstände, die die Entwicklung hin zur Gewaltbereitschaft begünstigt haben. Einer der Hauptgedanken in Gleichaufs Buch: Ensslins intensive Schreibtätigkeit und die Literaturbegeisterung wurden bestimmend für ihre Weltanschauung – so die Beschäftigung mit dem Schriftsteller Hans Henny Jahnn und seiner großen Romantrilogie "Fluß ohne Ufer" im Zusammenhang mit der Arbeit an ihrer Promotion. Sie habe die Ablösung von Religion und Moralkodex des elterlichen Pfarrhauses forciert. Jahnns Verklärung der Tat (und der Tatkraft) als einzig gültigem Ausdruck eines Menschenlebens finde – so Gleichauf –gewissermaßen ihre Entsprechung in  den militanten Erlösungsphantasien der RAF.

Nicht zuletzt handelt "Poesie und Gewalt" als  besondere Verbindung von Erzählung und Analyse auch von der Schwierigkeit oder gar Unmöglichkeit einer Biografie, die immer nur Annäherung sein kann.

Ingeborg Gleichauf, geboren 1953 in Freiburg im Breisgau, ist Literaturwissenschaftlerin und Publizistin
Ingeborg Gleichauf, Poesie und Gewalt. Das Leben der Gudrun Ensslin
Klett-Cotta, 22,– €

Mittwoch, 31. Mai 2017
Buchladen Eulenspiegel
20.00 Uhr Eintritt: 8,–/ 6,– €